(Hoch)begabung & Persönlichkeit

Literaturempfehlung:

Stapf, A. (2010). Hochbegabte Kinder: Persönlichkeit, Entwicklung, Förderung. C.H. Beck Verlag

Folgende Anzeichen können auf eine Hochbegabung bei einem Kind/Jugendlichen hinweisen: 

Eine frühe sprachliche Entwicklung, frühes Interesse für Zahlen und Buchstaben, eine hohe Merkfähigkeit und großes Interesse an der Umgebung bereits im Kleinkindalter. (Hoch)begabte Kinder und Jugendliche stellen häufig Fragen zu vielen (teils auch alters-untypischen) Inhaltsgebieten. Sie weisen oft einen hohen Gerechtigkeitssinn und hohe moralische Erwartungen auf, auch wenn sie dann im konkreten Verhalten den eigenen Anforderungen selbst oft nicht gerecht werden können. Eltern berichten auch darüber, dass diese Kinder gerne Regeln ausdiskutieren, ein bloßes Hinnehmen dieser, ohne sie zu verstehen, fällt ihnen schwer. Oftmals haben sie einen hohen Eigensinn und sehr starken Willen. Es können Probleme beim Einschlafen und beim "Kopf-ruhig-stellen" auftreten. Das äußert sich manchmal auch in einer hohen Erregung. In der Schule langweilen sich diese Kinder häufig, manche haben zudem Probleme beim Schön-Schreiben und sind daher schulisch frustriert. 

Sozial können (müssen aber nicht!) vor allem wegen anderer Interessen Schwierigkeiten auftreten. Manchmal kommt es zu vermehrten Ängsten und emotionalen Problemen. Längs- und Querschnitts-Studien zeigen, dass eine kognitive Hochbegabung eine Ressource darstellt und nicht automatisch dazu führt, dass es soziale und emotionale Schwierigkeiten gibt. Es kann aber besonders in Zusammenhang mit ungünstigen Umgebungsbedingungen (z.B. sehr wenig förderliches Umfeld in Kindergarten und Schule) zu sozialen und emotionalen Auffälligkeiten kommen. Robinson et al. (2002) hat nach intensiver Auseinandersetzung mit Forschungsstudien zu diesem Thema festgestellt, dass nicht nur Underachievement sondern auch viele der sozialen und emotionalen Probleme von (hoch)begabten Kindern und Jugendlichen ursächlich mit einer ungünstigen und wenig förderlichen Schulumgebung in Verbindung stehen. 

Erklärt wird das damit, dass begabte Schüler*innen spezielle Persönlichkeitseigenschaften aufweisen, wie Perfektionismus, hohe Erregbarkeit, Sensitivität, Hinterfragen von Regeln und Autoritäten, einen starken Gerechtigkeitssinn und Idealismus (Lovecky, 1993; Sowa, McIntire, May, & Bland, 1994; VanTassel-Baska, 1998), die in einem "normalen" Schulsetting zu Verhaltensproblemen beitragen können. Entsprechend profitieren sie von einer differenzierten Förderung, die auch emotionale und soziale Bedürfnisse berücksichtigt und ihnen hilft, mit dem Stress umzugehen, der daraus entsteht, dass sie anders sind (Peterson, 2006; Yoo & Moon, 2006).